Kommunikation und Verhalten bei Menschen mit Demenz
- Florian Goecke

- vor 19 Stunden
- 16 Min. Lesezeit
Beziehung vor Korrektur: Wie wir im ambulanten Pflegedienst professionell, ruhig und wertschätzend handeln
Die Kommunikation mit Menschen mit Demenz gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der ambulanten Pflege.
Nicht unbedingt, weil wir dafür besonders komplizierte Gesprächstechniken brauchen. Die Herausforderung entsteht vielmehr dann, wenn unsere Wahrnehmung einer Situation und die Wahrnehmung des Klienten deutlich voneinander abweichen.
Ein typisches Beispiel:
Mitarbeiter: „Guten Morgen, Frau Müller. Ich mache Ihnen jetzt Ihr Frühstück.“
Frau Müller: „Ich habe doch längst gefrühstückt!“
Wir wissen möglicherweise, dass das nicht stimmt. Das Geschirr steht noch im Schrank und nach unserem Kenntnisstand war vorher niemand da.
Was machen wir jetzt?
Sagen wir: „Nein, Sie haben noch nicht gefrühstückt“?
Versuchen wir, die Person davon zu überzeugen?
Diskutieren wir?
Oder akzeptieren wir die Aussage und verzichten vollständig auf das Frühstück?
Genau solche Situationen gehören zum Alltag in der ambulanten Pflege.
Dabei hilft ein wichtiger Grundsatz:
Wir müssen nicht jede falsche Aussage korrigieren. Aber wir müssen jede Situation professionell einschätzen.
1. Menschen mit Demenz leben nicht einfach „in einer falschen Welt“
Eine Demenzerkrankung kann unterschiedliche Fähigkeiten beeinträchtigen. Dazu gehören zum Beispiel:
das Kurzzeitgedächtnis
die zeitliche Orientierung
die räumliche Orientierung
die Aufmerksamkeit
die Verarbeitung komplexer Informationen
die Sprache
die Handlungsplanung
die Einschätzung von Situationen
das Wiedererkennen von Personen oder Gegenständen
Gleichzeitig bleiben andere Fähigkeiten oft sehr lange erhalten.
Dazu gehören insbesondere Gefühle, Bedürfnisse, Gewohnheiten, Teile der Persönlichkeit und das Bedürfnis nach Selbstbestimmung.
Das ist für unseren Umgang entscheidend.
Ein Mensch kann möglicherweise nicht mehr nachvollziehen, warum er sich jetzt waschen soll. Er kann aber trotzdem sehr deutlich wahrnehmen, dass jemand ihn unter Druck setzt.
Er erinnert sich vielleicht fünf Minuten später nicht mehr an unser Gespräch. Das Gefühl, sich sicher, respektiert oder bedrängt gefühlt zu haben, kann trotzdem bestehen bleiben.
Unser Ziel sollte deshalb nicht lauten:
„Ich muss dem Klienten erklären, was richtig ist.“
Sondern:
„Ich möchte eine Situation schaffen, in der sich der Klient sicher fühlt und möglichst gut mit mir zusammenarbeiten kann.“
Das ist ein entscheidender Unterschied.
2. Beziehung geht vor Recht haben
Im Alltag geraten wir schnell in Diskussionen über Fakten.
Zum Beispiel:
Mitarbeiter: „Sie haben heute noch nicht gegessen.“
Klient: „Doch!“
Mitarbeiter: „Nein.“
Klient: „Natürlich habe ich gegessen!“
Mitarbeiter: „Aber hier steht doch noch alles.“
Klient: „Wollen Sie mich für verrückt erklären?“
Vielleicht haben wir fachlich recht.
Kommunikativ haben wir die Situation trotzdem verschlechtert.
Aus einem Frühstück ist plötzlich ein Machtkampf geworden.
Deshalb sollten wir uns fragen:
Was bringt es dem Menschen, wenn ich ihn jetzt korrigiere?
Nicht jede objektiv falsche Aussage muss richtiggestellt werden.
3. Wann sollte ich korrigieren – und wann nicht?
Hier helfen drei Fragen.
Frage 1: Ist die Korrektur für die Sicherheit oder Gesundheit wichtig?
Wenn nicht, muss häufig gar nicht korrigiert werden.
Ein Beispiel:
Eine Klientin sagt:
„Meine Mutter kommt gleich vorbei.“
Wir wissen vielleicht, dass die Mutter bereits vor vielen Jahren verstorben ist.
Was würde es bringen zu sagen:
„Ihre Mutter ist doch schon lange tot.“
Möglicherweise erlebt die Person den Verlust dadurch emotional erneut.
Eine Alternative wäre:
„Sie denken gerade an Ihre Mutter.“
Oder:
„Ihre Mutter scheint Ihnen sehr wichtig zu sein.“
Vielleicht entwickelt sich daraus ein Gespräch über Familie, Geborgenheit oder frühere Erlebnisse.
Wir bestätigen damit nicht, dass die Mutter tatsächlich gleich kommt.
Wir müssen die Aussage aber auch nicht hart korrigieren.
Frage 2: Kann die Person die Korrektur überhaupt verarbeiten?
Wenn ich einem Menschen fünfmal erkläre, dass heute Donnerstag ist, und die Information jedes Mal nach kurzer Zeit wieder verloren geht, bringt eine sechste ausführliche Erklärung möglicherweise wenig.
Wenn Orientierung dagegen hilft und Sicherheit vermittelt, kann sie sinnvoll sein.
Zum Beispiel:
„Guten Morgen, Frau Müller. Heute ist Donnerstag. Ich bin Herr Schneider von halpy und wir haben jetzt unseren Morgentermin.“
Der entscheidende Punkt lautet:
Orientierung soll Sicherheit schaffen. Sie soll nicht beweisen, dass der andere falschliegt.
Frage 3: Ist der Nutzen der Korrektur größer als die Belastung?
In bestimmten Situationen müssen wir klar orientieren.
Zum Beispiel bei:
akuten Gefahren
Medikamenten
medizinisch notwendigen Maßnahmen
einem erhöhten Sturzrisiko
gefährlichen Situationen im Straßenverkehr
wichtigen Entscheidungen
Situationen, in denen eine falsche Einschätzung unmittelbar Schaden verursachen könnte
Auch dann gilt:
So viel Orientierung wie nötig und so wenig Konfrontation wie möglich.
4. Der Klassiker: „Ich habe schon gefrühstückt!“
Schauen wir uns diese Situation genauer an.
Der Klient sagt:
„Ich habe schon gefrühstückt.“
Eine ungünstige Antwort wäre:
„Nein, haben Sie nicht.“
Damit beginnt sehr schnell eine Diskussion darüber, wer recht hat.
Eine bessere Antwort könnte sein:
„Okay. Dann haben Sie wahrscheinlich keinen großen Hunger. Möchten Sie trotzdem einen Kaffee und eine Kleinigkeit?“
Oder:
„Dann machen wir kein großes Frühstück. Wie wäre es mit einem Joghurt oder einem halben Brot?“
Oder:
„Alles klar. Dann stelle ich Ihnen zumindest etwas zu trinken hin.“
Damit stellen wir die Wahrnehmung des Menschen nicht frontal infrage.
Gleichzeitig geben wir unsere pflegerische Aufgabe nicht sofort auf.
5. „Ich habe schon gegessen“ bedeutet nicht automatisch „Ich möchte nichts essen“
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Ein Mensch mit Demenz kann fest davon überzeugt sein, bereits gefrühstückt zu haben.
Trotzdem kann er wenige Minuten später ein Brot, einen Joghurt oder Obst essen, wenn es ansprechend angeboten wird.
Deshalb kann die Frage:
„Möchten Sie frühstücken?“
schwieriger sein als ein konkretes Angebot.
Besser wäre beispielsweise:
„Ich habe Ihnen einen Kaffee gemacht. Möchten Sie dazu ein Brot oder einen Joghurt?“
Jetzt muss die Person nicht mehr überlegen, ob sie bereits gegessen hat.
Sie trifft lediglich eine Entscheidung im aktuellen Moment.
6. Ein „Nein“ kann sehr unterschiedliche Bedeutungen haben
Wenn ein Klient sagt:
„Nein!“
kann dahinter vieles stecken.
Zum Beispiel:
„Ich habe die Frage nicht verstanden.“
„Ich weiß nicht, was jetzt passieren soll.“
„Ich habe Angst.“
„Mir ist kalt.“
„Ich schäme mich.“
„Ich habe Schmerzen.“
„Ich brauche mehr Zeit.“
„Ich kenne Sie nicht.“
„Sie sind mir zu schnell.“
„Ich fühle mich überfordert.“
„Ich möchte selbst entscheiden.“
„Ich möchte das tatsächlich nicht.“
Deshalb sollten wir Verhalten nicht vorschnell als „unkooperativ“ bezeichnen.
Ein wichtiger Grundsatz lautet:
Verhalten ist Kommunikation.
Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, was uns der Mensch durch sein Verhalten mitteilt.
Wenn sich ein Verhalten plötzlich stark verändert, müssen wir außerdem an körperliche Ursachen denken.
Zum Beispiel:
Schmerzen
Infekte
ein Delir
Verstopfung
Übelkeit
Hunger oder Durst
Nebenwirkungen von Medikamenten
Überforderung
Lärm
eine ungewohnte Umgebung
7. Wie biete ich eine alternative Leistung an?
Im ambulanten Pflegedienst entsteht dabei eine zusätzliche Herausforderung.
Eine geplante Leistung wird abgelehnt.
Was machen wir jetzt?
Zunächst gilt:
Der Leistungsplan steht nicht über dem Menschen.
Auch ein Mensch mit Demenz hat ein Recht auf Selbstbestimmung.
Eine Demenzdiagnose bedeutet nicht automatisch, dass wir über den Menschen hinweg entscheiden dürfen.
Gleichzeitig sollten wir eine vereinbarte Leistung nicht einfach als durchgeführt betrachten, wenn sie tatsächlich nicht stattgefunden hat.
Eine mögliche Situation:
Geplant ist die Unterstützung beim Frühstück.
Der Klient lehnt das Frühstück ab.
Wir könnten sagen:
„Das ist in Ordnung. Möchten Sie wenigstens einen Kaffee oder ein Glas Wasser?“
Wird auch das abgelehnt, können wir – sofern dies zur vereinbarten Versorgung gehört – eine andere geplante Tätigkeit anbieten.
Zum Beispiel:
„Okay. Dann lassen wir das Frühstück erst einmal. Möchten Sie sich zuerst im Bad frisch machen oder lieber hier am Waschbecken?“
Wichtig ist:
Wir tauschen nicht willkürlich Leistungen aus, nur damit unsere Tourenplanung oder Abrechnung funktioniert.
Welche Leistungen durchgeführt und abgerechnet werden können, richtet sich unter anderem nach dem Pflegevertrag, der Pflegeplanung, den vereinbarten Leistungen und gegebenenfalls ärztlichen Verordnungen.
Wenn eine bestimmte Leistung regelmäßig nicht funktioniert, muss die Versorgung überprüft werden.
8. Wenn etwas jeden Tag nicht funktioniert, müssen wir den Plan hinterfragen
Stellen wir uns vor:
Frau Müller sagt an zehn von zwölf Tagen morgens:
„Ich habe schon gefrühstückt.“
Dann sollte nicht jeden Morgen ein anderer Mitarbeiter versuchen, die gleiche Diskussion zu gewinnen.
Stattdessen sollte das Thema im Team besprochen werden.
Mögliche Fragen sind:
Ist der Zeitpunkt für das Frühstück ungeeignet?
Hat die Person morgens überhaupt Hunger?
Hat sie früher immer später gefrühstückt?
Welche Lebensmittel mag sie besonders?
Funktionieren kleine Portionen besser?
Trinkt sie lieber zuerst Kaffee?
Ist das Wort „Frühstück“ bereits negativ besetzt?
Gibt es Zahnprobleme?
Gibt es Schmerzen?
Bestehen Schluckprobleme?
Gibt es Übelkeit oder Nebenwirkungen von Medikamenten?
Hat sich der Allgemeinzustand verändert?
Muss der Hausarzt einbezogen werden?
Müssen Angehörige oder andere Beteiligte informiert werden?
Muss die Pflegeplanung verändert werden?
Professionelle Pflege bedeutet nicht, jeden Tag denselben Kampf etwas besser zu führen.
Professionelle Pflege kann auch bedeuten:
Wir verändern den Plan.
9. Motivation: Einladen statt anordnen
Menschen mit Demenz reagieren häufig besser auf konkrete und kleine Handlungsschritte als auf abstrakte Aufforderungen.
Ungünstig:
„Sie müssen jetzt Körperpflege machen.“
Besser:
„Kommen Sie, wir gehen zusammen ins Bad.“
Noch konkreter:
„Hier ist schon der warme Waschlappen. Wir fangen mit dem Gesicht an.“
Ungünstig:
„Sie müssen sich jetzt anziehen.“
Besser:
„Hier sind Ihre blaue und Ihre graue Hose. Welche möchten Sie heute anziehen?“
Kleine Entscheidungen helfen, Selbstbestimmung zu ermöglichen und gleichzeitig Überforderung zu vermeiden.
10. Nicht zu viele Möglichkeiten anbieten
Die Frage:
„Was möchten Sie heute anziehen?“
kann für einen Menschen mit Demenz sehr schwierig sein.
Die Person müsste gedanklich viele Möglichkeiten prüfen.
Einfacher ist:
„Möchten Sie die blaue oder die graue Hose?“
Zwei konkrete Möglichkeiten sind meistens leichter zu verarbeiten.
Das gleiche Prinzip funktioniert beim Essen.
Statt:
„Was möchten Sie frühstücken?“
besser:
„Möchten Sie Brot oder Joghurt?“
11. Eine Handlung nach der anderen
Ein häufiger Fehler ist, mehrere Aufforderungen gleichzeitig zu geben.
Zum Beispiel:
„Frau Müller, stehen Sie bitte auf, gehen Sie ins Bad, ziehen Sie sich aus und dann waschen wir uns und danach ziehen Sie frische Sachen an.“
Für uns ist das ein logischer Ablauf.
Für einen Menschen mit Demenz können das fünf Aufgaben gleichzeitig sein.
Besser:
„Frau Müller, stehen Sie bitte einmal auf.“
Dann warten.
„Wir gehen zusammen ins Bad.“
Warten.
„Setzen Sie sich bitte hier hin.“
Warten.
Dann folgt der nächste Schritt.
Die einfache Regel lautet:
Eine Information. Eine Handlung. Zeit zum Verarbeiten.
12. Wie kann ich dafür sorgen, dass sich der Klient beeilt?
Diese Frage ist im ambulanten Pflegedienst verständlich.
Wir haben feste Touren.
Der nächste Klient wartet.
Wir haben Wegezeiten, Medikamente, Termine und geplante Leistungen.
Der Zeitdruck ist real.
Trotzdem funktioniert die Aufforderung:
„Jetzt machen Sie aber mal schneller.“
bei Menschen mit Demenz meistens nicht.
Auch Sätze wie:
„Ich habe noch andere Klienten.“
„Wir haben dafür keine Zeit.“
„Sie müssen jetzt mitmachen.“
führen häufig nicht dazu, dass die Versorgung schneller wird.
Im Gegenteil.
Stress kann Orientierung und Handlungsfähigkeit zusätzlich verschlechtern.
Der Klient wird unsicherer.
Wir wiederholen unsere Aufforderung.
Er wird noch unsicherer.
Wir werden ungeduldiger.
Er nimmt unsere Anspannung wahr.
Am Ende dauert die Situation möglicherweise länger.
13. Nicht den Menschen schneller machen – den Ablauf einfacher machen
Zeit können wir häufig dadurch gewinnen, dass wir die Situation vereinfachen.
Zum Beispiel:
benötigte Dinge vorher vorbereiten
Ablenkungen reduzieren
immer ähnliche Abläufe nutzen
bekannte Gewohnheiten berücksichtigen
Auswahlmöglichkeiten reduzieren
Tätigkeiten in kleine Schritte unterteilen
kurze und klare Sätze verwenden
Übergänge ankündigen
ausreichend Reaktionszeit geben
vertraute Rituale nutzen
Aus:
„Was möchten Sie heute anziehen? Schauen Sie doch mal in den Schrank.“
wird:
„Die blaue oder die schwarze Hose?“
Das spart häufig mehr Zeit als jede Aufforderung, sich zu beeilen.
14. Zeitdruck kann ein Planungsproblem sein
Wenn ein Klient aufgrund seiner Erkrankung regelmäßig 25 Minuten für eine bestimmte Versorgung benötigt, dauerhaft aber nur 10 Minuten eingeplant werden, können wir diese Differenz nicht vollständig durch bessere Kommunikation beseitigen.
Dann muss das Team hinschauen.
Wenn gute Pflege dauerhaft nur möglich ist, indem Mitarbeitende Klienten antreiben oder unter Druck setzen, stimmt möglicherweise die Planung nicht mehr mit dem tatsächlichen Pflegebedarf überein.
Deshalb sollte zurückgemeldet werden:
„Bei diesem Klienten reicht die geplante Zeit regelmäßig nicht aus.“
Das ist keine Schwäche.
Das ist eine wichtige pflegefachliche Beobachtung.
15. Wie schaffe ich es selbst, ruhig zu bleiben?
Eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Demenzpflege ist die eigene Selbstregulation.
Wenn wir hektisch werden, verändert sich unsere gesamte Kommunikation.
Wir sprechen schneller.
Unsere Stimme wird möglicherweise höher oder lauter.
Unsere Bewegungen werden abrupter.
Wir schauen häufiger auf die Uhr.
Wir wiederholen Aufforderungen.
Wir gehen vielleicht näher an die Person heran.
Der Mensch versteht möglicherweise nicht jedes einzelne Wort.
Unsere Anspannung nimmt er trotzdem wahr.
Deshalb gilt:
Bevor wir versuchen, den Klienten zu beruhigen, müssen wir uns selbst regulieren.
Das kann im Alltag nur wenige Sekunden dauern.
Zum Beispiel:
einmal bewusst ausatmen
Schultern lockern
Stimme senken
langsamer sprechen
einen Schritt zurückgehen
eine kurze Pause machen
Hilfreich kann auch ein innerer Satz sein:
„Der Mensch macht das nicht gegen mich.“
16. Verhalten nicht persönlich nehmen
Ein Klient sagt vielleicht:
„Verschwinden Sie!“
Oder:
„Sie haben hier überhaupt nichts zu suchen!“
Das kann natürlich unangenehm oder verletzend sein.
Trotzdem sollten wir versuchen, die Situation aus Sicht des Menschen zu betrachten.
Vielleicht erlebt die Person gerade Folgendes:
„Wer ist diese fremde Person?“
„Warum steht jemand in meinem Schlafzimmer?“
„Warum soll ich mich ausziehen?“
„Warum fasst mich jemand an?“
„Warum sagt mir jemand, was ich tun soll?“
Aus dieser Perspektive wird Widerstand plötzlich verständlicher.
Das bedeutet nicht, dass aggressives Verhalten angenehm oder akzeptabel ist.
Es hilft uns aber, professioneller darauf zu reagieren.
17. Deeskalation beginnt häufig mit weniger Kommunikation
Wenn ein Mensch bereits sehr aufgebracht ist, machen wir häufig einen Fehler:
Wir reden immer mehr.
Zum Beispiel:
„Frau Müller, beruhigen Sie sich doch. Ich wollte doch nur helfen. Sie wissen doch, dass wir jeden Morgen kommen und Ihre Tochter hat doch gesagt, dass wir Ihnen helfen sollen und wir müssen jetzt wirklich …“
Damit bekommt die Person noch mehr Informationen.
Die Überforderung steigt.
Besser sind wenige Worte.
Zum Beispiel:
„Sie möchten das gerade nicht.“
Pause.
„Das ist okay.“
Pause.
„Wir machen kurz Pause.“
Oder:
„Das war gerade zu viel.“
„Wir versuchen es gleich noch einmal.“
Das bedeutet nicht, dass wir die Versorgung sofort aufgeben.
Wir reduzieren zunächst die Spannung.
18. Fünf Schritte zur Deeskalation
Schritt 1: Anhalten
Wenn ein Mensch sichtbar angespannt ist, nicht automatisch weitermachen.
Nicht weiterwaschen.
Nicht weiterziehen.
Nicht weiterargumentieren.
Schritt 2: Abstand herstellen
Nicht über den Menschen beugen.
Nicht den Ausgang versperren.
Nicht plötzlich anfassen.
Gegebenenfalls einen Schritt zurückgehen.
Schritt 3: Gefühl anerkennen
Zum Beispiel:
„Sie möchten das gerade nicht.“
„Das ärgert Sie.“
„Das geht Ihnen gerade zu schnell.“
„Sie sind gerade unsicher.“
Wir bestätigen damit nicht automatisch eine falsche Aussage.
Wir erkennen das Gefühl an.
Schritt 4: Eine einfache Alternative anbieten
Zum Beispiel:
„Möchten Sie erst einen Kaffee trinken?“
„Sollen wir es später noch einmal versuchen?“
„Möchten Sie sich hier oder im Bad waschen?“
Schritt 5: Einen Ausstieg ermöglichen
Manchmal ist die beste Intervention:
Kurz aufhören.
Fünf oder zehn Minuten später kann die gleiche Handlung plötzlich problemlos möglich sein.
Nicht jede Situation muss sofort gelöst werden.
19. Was bedeutet Validation?
Im Umgang mit Menschen mit Demenz wird häufig von Validation gesprochen.
Vereinfacht bedeutet Validation:
Wir konzentrieren uns weniger darauf, ob eine Aussage objektiv richtig ist.
Stattdessen fragen wir uns:
Welches Gefühl oder Bedürfnis steckt hinter der Aussage?
Ein Beispiel:
Klient:
„Ich muss nach Hause. Meine Kinder kommen gleich aus der Schule.“
Ungünstig:
„Ihre Kinder sind doch schon längst erwachsen.“
Besser:
„Sie machen sich Gedanken um Ihre Kinder.“
Oder:
„Ihnen ist wichtig, dass zu Hause alles in Ordnung ist.“
Wir müssen nicht sagen:
„Ja, Ihre Kinder kommen gleich aus der Schule.“
Validation bedeutet nicht automatisch, eine erfundene Geschichte weiterzuerzählen.
Es bedeutet vor allem:
Das Gefühl hinter der Aussage ernst zu nehmen.
20. Wann müssen wir trotzdem klare Grenzen setzen?
Personenzentrierte Kommunikation bedeutet nicht, alles zuzulassen.
Es gibt Situationen, in denen wir klar reagieren müssen.
Ein Beispiel:
Ein Klient möchte ohne Rollator eine Treppe hinuntergehen und hat ein erhebliches Sturzrisiko.
Dann können wir deutlich sagen:
„Stopp, Herr Müller. Bitte bleiben Sie kurz stehen.“
Anschließend:
„Ich hole Ihren Rollator. Dann gehen wir zusammen.“
Klare Grenzen und wertschätzende Kommunikation schließen sich nicht aus.
Deeskalation bedeutet nicht Grenzenlosigkeit.
21. Was tun bei abgelehnten Medikamenten?
Bei Medikamenten oder anderen medizinisch notwendigen Maßnahmen ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich.
Wenn ein Medikament abgelehnt wird, sollten wir nicht einfach denken:
„Dann machen wir heute eben etwas anderes.“
Mögliche erste Schritte sind:
Situation beruhigen
nach einer Ursache suchen
später erneut anbieten, sofern fachlich möglich
die Erklärung vereinfachen
vertraute Routinen nutzen
Eine Medikamentengabe sollte nicht mit Druck oder Täuschung „durchgesetzt“ werden.
Kann eine wichtige verordnete Maßnahme nicht durchgeführt werden, muss entsprechend den internen fachlichen Vorgaben gehandelt werden.
Je nach Situation bedeutet das beispielsweise:
dokumentieren
Pflegefachperson informieren
PDL informieren
ärztliche Rücksprache veranlassen
bei akuter Gefährdung den entsprechenden Notfallweg einleiten
22. Vorsicht mit dem Satz: „Der Klient verweigert“
Der Begriff „Verweigerung“ kann schnell den Eindruck vermitteln:
Der Klient versteht alles, könnte problemlos mitmachen und entscheidet sich bewusst dagegen.
Bei einer Demenzerkrankung kann die Situation wesentlich komplexer sein.
Statt nur zu dokumentieren:
„Klient verweigert Körperpflege.“
ist eine genaue Beschreibung hilfreicher.
Zum Beispiel:
„Klient reagiert auf die Aufforderung zur Körperpflege mit deutlicher Ablehnung, zieht die Hände zurück und sagt mehrfach ‚Nein‘. Versorgung unterbrochen. Nach zehn Minuten erneut angeboten, weiterhin Ablehnung.“
Oder:
„Frühstück angeboten. Klient gibt an, bereits gegessen zu haben, und lehnt Brot ab. Kaffee und Joghurt angeboten. Beides wurde angenommen.“
Das hilft auch dem nächsten Mitarbeiter.
23. Dokumentieren, was funktioniert
Gerade bei Menschen mit Demenz sollten wir nicht nur dokumentieren, was schwierig war.
Mindestens genauso wichtig ist die Frage:
Was hat funktioniert?
Zum Beispiel:
reagiert positiv auf einen Kaffee vor der Körperpflege
möchte nach dem Aufstehen zunächst einige Minuten sitzen
lehnt Duschen bei bestimmten Situationen ab
reagiert positiv auf bekannte Musik
wird unruhig bei mehreren Fragen gleichzeitig
bevorzugt bestimmte Kleidungsstücke
möchte Medikamente erst nach dem Frühstück
reagiert negativ auf das Wort „Duschen“, akzeptiert aber „frisch machen“
lässt sich besser motivieren, wenn die Kleidung bereits bereitliegt
Solche Informationen machen aus den Erfahrungen einzelner Mitarbeitender gemeinsames Teamwissen.
24. Biografie hilft uns bei der Kommunikation
Menschen mit Demenz verlieren nicht plötzlich ihre gesamte Lebensgeschichte.
Viele Gewohnheiten sind über Jahrzehnte entstanden.
Ein Mensch, der sein gesamtes Berufsleben um 05:30 Uhr aufgestanden ist, hat möglicherweise andere Routinen als jemand, der immer spät in den Tag gestartet ist.
Jemand, der immer großen Wert auf gepflegte Kleidung gelegt hat, lässt sich vielleicht mit einem Satz motivieren wie:
„Ihre schöne Bluse liegt schon bereit.“
Eine Person, die morgens ihr Leben lang zuerst Kaffee getrunken hat, reagiert möglicherweise besser, wenn wir nicht unmittelbar mit der Körperpflege beginnen.
Biografiearbeit bedeutet nicht, Menschen zu manipulieren.
Sie bedeutet, vertraute Gewohnheiten zu kennen und für eine angenehmere Versorgung zu nutzen.
25. Körpersprache ist ebenfalls Kommunikation
Menschen mit Demenz verstehen möglicherweise unsere Worte zunehmend schlechter.
Unsere Körpersprache nehmen sie trotzdem wahr.
Deshalb sollten wir auf Folgendes achten:
Blickkontakt herstellen
möglichst auf Augenhöhe sprechen
einen freundlichen Gesichtsausdruck zeigen
nicht über die Person hinweg sprechen
hektische Bewegungen vermeiden
Berührungen ankündigen
persönlichen Abstand respektieren
die Person möglichst nicht von hinten überraschen
langsam und deutlich sprechen
Wer sagt:
„Alles gut, Frau Müller.“
und gleichzeitig hektisch auf die Uhr schaut, die Tasche packt und Richtung Tür läuft, sendet zwei unterschiedliche Botschaften.
26. Berührungen ankündigen
Auch wenn wir einen Klienten täglich versorgen, bleibt Berührung etwas Persönliches.
Besonders bei einer Demenzerkrankung kann plötzliches Anfassen als Bedrohung erlebt werden.
Deshalb:
„Ich helfe Ihnen jetzt mit dem Ärmel.“
„Ich nehme kurz Ihre Hand.“
„Ich wasche Ihnen jetzt den Rücken.“
Damit bleibt die Person in die Handlung einbezogen.
27. Was ist ein absolutes No-Go?
Bestimmte Verhaltensweisen sollten wir im Umgang mit Menschen mit Demenz konsequent vermeiden.
Gedächtnis testen
Nicht:
„Wissen Sie nicht mehr, was ich Ihnen gerade gesagt habe?“
Nicht:
„Na, wissen Sie noch, wer ich bin?“
Pflege ist kein unangekündigter Gedächtnistest.
Bloßstellen
Nicht:
„Das stimmt doch überhaupt nicht.“
Nicht:
„Das haben Sie sich wieder eingebildet.“
Nicht:
„Sie vergessen wirklich alles.“
Diskussionen gewinnen wollen
Wir müssen nicht beweisen, dass wir recht haben.
Kindersprache verwenden
Menschen mit Demenz sind Erwachsene.
Keine Babysprache.
Keine Verniedlichungen.
Kein ungefragtes „Omi“, „Opi“, „Schätzchen“ oder „mein Lieber“.
Über den Menschen sprechen, obwohl er danebensteht
Nicht:
„Der versteht das sowieso nicht mehr.“
Oder:
„Die weiß doch gar nicht, worum es geht.“
Auch bei einer fortgeschrittenen Demenz können wir nie sicher wissen, was ein Mensch wahrnimmt und versteht.
Zu viele Aufforderungen gleichzeitig geben
Nicht:
„Stehen Sie auf, ziehen Sie die Jacke an und gehen Sie zur Tür.“
Eine Handlung nach der anderen.
Drohen
Nicht:
„Wenn Sie jetzt nicht mitmachen, komme ich nicht mehr.“
Nicht:
„Dann müssen Sie eben so bleiben.“
Nicht:
„Ihre Tochter wird aber sauer.“
Drohen ist ein absolutes No-Go.
Überrumpeln
Nicht einfach anfangen zu waschen, auszuziehen oder Medikamente zu geben, weil Erklären länger dauern würde.
Lauter werden
Wenn jemand uns nicht versteht, hilft es nicht automatisch, immer lauter zu sprechen.
Natürlich muss eine bekannte Hörbeeinträchtigung berücksichtigt werden.
Zeitdruck auf den Klienten übertragen
Nicht:
„Sie müssen sich beeilen.“
Nicht:
„Ich habe keine Zeit.“
Nicht:
„Andere warten auch.“
Unser Tourenplan ist nicht die Verantwortung des Klienten.
Täuschen, damit es schneller geht
Wir sollten einen Menschen nicht vorsätzlich mit falschen Behauptungen zu einer Pflegehandlung oder Medikamenteneinnahme bringen.
Gefühle validieren und eine Situation umlenken ist etwas anderes als bewusstes Täuschen.
Nicht erbrachte Leistungen als erbracht dokumentieren
Dokumentiert wird, was tatsächlich durchgeführt wurde.
Nicht das, was ursprünglich geplant war.
28. Hilfreiche Formulierungen für den Alltag
Statt:
„Nein, das stimmt nicht.“
Besser:
„Sie erinnern das gerade anders.“
Statt:
„Sie haben noch nicht gefrühstückt.“
Besser:
„Dann haben Sie wahrscheinlich keinen großen Hunger. Möchten Sie trotzdem einen Kaffee und etwas Kleines?“
Statt:
„Sie müssen jetzt duschen.“
Besser:
„Wir machen uns jetzt ein bisschen frisch. Möchten Sie sich hier oder im Bad waschen?“
Statt:
„Warum wollen Sie das nicht?“
Besser:
„Ist Ihnen etwas unangenehm?“
Oder:
„Ist Ihnen kalt?“
Statt:
„Beruhigen Sie sich!“
Besser:
„Das ist gerade viel. Wir machen kurz Pause.“
Statt:
„Das habe ich Ihnen doch schon dreimal erklärt.“
Besser:
Noch einmal ruhig und kurz erklären.
Statt:
„Jetzt machen Sie schneller.“
Besser:
„Wir machen einen Schritt nach dem anderen. Geben Sie mir bitte Ihre Hand.“
Statt:
„Was möchten Sie anziehen?“
Besser:
„Die blaue oder die graue Hose?“
Statt:
„Jetzt stellen Sie sich nicht so an.“
Besser:
„Das ist Ihnen gerade unangenehm. Wir schauen, wie wir es anders machen können.“
29. Drei Fragen für schwierige Situationen
Wenn wir in einer Situation nicht wissen, wie wir reagieren sollen, helfen drei Fragen.
1. Was fühlt der Mensch gerade?
Vielleicht:
Angst
Unsicherheit
Scham
Ärger
Überforderung
Hilflosigkeit
2. Welches Bedürfnis steckt dahinter?
Vielleicht:
Sicherheit
Ruhe
Kontrolle
Nähe
Abstand
Orientierung
Selbstständigkeit
3. Wie können wir dieses Bedürfnis berücksichtigen und trotzdem unser pflegerisches Ziel verfolgen?
Genau dort beginnt professionelle Kommunikation.
30. Widerstand ist Information
Ein Satz, den wir uns für den Pflegealltag merken können:
Widerstand ist nicht das Ende der Kommunikation. Widerstand ist eine Information innerhalb der Kommunikation.
Wenn jemand nicht duschen möchte, sollte unsere erste Frage deshalb nicht lauten:
„Wie bekomme ich ihn trotzdem unter die Dusche?“
Sondern:
„Warum funktioniert diese Situation gerade nicht?“
Vielleicht ist:
das Badezimmer zu kalt
Wasser im Gesicht unangenehm
die Pflegeperson unbekannt
der Zeitpunkt ungünstig
Scham vorhanden
die Aufforderung zu kompliziert
eine frühere negative Erfahrung vorhanden
die Person müde
die Dusche zu laut
der Begriff „Duschen“ negativ besetzt
Vielleicht funktioniert eine Teilwäsche besser.
Vielleicht funktioniert es nach dem Kaffee besser.
Vielleicht zehn Minuten später.
Vielleicht mit einem anderen Ablauf.
31. Und wenn es trotzdem nicht funktioniert?
Auch die beste Kommunikation löst nicht jede Situation.
Es wird Tage geben, an denen ein Klient eine Leistung ablehnt.
Professionelle Pflege bedeutet nicht, dass am Ende unbedingt jeder Punkt auf unserem Plan erledigt sein muss.
Ein mögliches Vorgehen:
Ablehnung wahrnehmen.
Ursache einschätzen.
Kommunikation verändern.
Eine passende Alternative anbieten.
Wenn sinnvoll, später erneut versuchen.
Eine mögliche Gefährdung einschätzen.
Tatsächlich durchgeführte Versorgung dokumentieren.
Bei Bedarf Pflegefachperson oder PDL informieren.
Bei medizinischer Relevanz die vorgesehenen Eskalationswege nutzen.
Bei wiederkehrenden Problemen die Pflegeplanung überprüfen.
32. Menschen mit Demenz dürfen auch Nein sagen
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Im Pflegealltag kann unbewusst die Vorstellung entstehen:
„Gute Pflege bedeutet, dass am Ende alles erledigt ist, was auf unserem Plan steht.“
So funktioniert personenzentrierte Pflege nicht.
Ein Mensch bleibt auch mit einer Demenzerkrankung ein Mensch mit eigenen Wünschen, Grenzen und Bedürfnissen.
Das Ziel ist nicht, dass ein Mensch möglichst widerspruchslos alles macht, was wir möchten.
Unser Ziel ist:
eine möglichst sichere, selbstbestimmte, fachlich angemessene und würdige Versorgung.
33. Gleichzeitig dürfen wir Risiken nicht ignorieren
Selbstbestimmung bedeutet nicht:
„Der Klient wollte nicht, also ist es uns egal.“
Wenn ein Mensch beispielsweise:
kaum noch isst
deutlich zu wenig trinkt
wichtige Medikamente regelmäßig ablehnt
plötzlich viel verwirrter ist
ungewöhnlich schläfrig wird
starke Verhaltensveränderungen zeigt
Schmerzen zeigt
erheblich Gewicht verliert
häufiger stürzt
Schwierigkeiten beim Schlucken entwickelt
müssen diese Beobachtungen weitergegeben und fachlich bewertet werden.
Die entscheidende Frage lautet also nicht nur:
„Will der Klient nicht?“
Sondern auch:
„Kann der Klient gerade?“
34. Was sollten wir als Pflegedienst daraus mitnehmen?
Gute Kommunikation mit Menschen mit Demenz bedeutet nicht, in jeder Situation den perfekten Satz zu finden.
Wichtiger sind einige grundlegende Haltungen.
Beziehung vor Korrektur.
Verstehen vor Bewerten.
Einladen statt Befehlen.
Eine Handlung nach der anderen.
Orientierung geben, wenn Orientierung hilft.
Nicht korrigieren, nur um recht zu haben.
Gefühle ernst nehmen, ohne jede Aussage bestätigen zu müssen.
Zeitdruck nicht auf den Klienten übertragen.
Widerstand als Information verstehen.
Selbstbestimmung respektieren und gleichzeitig Risiken erkennen.
Dokumentieren, was tatsächlich passiert ist.
Und vor allem sollten wir nicht fragen:
„Wie bekomme ich den Menschen dazu, das zu tun, was ich möchte?“
Sondern:
„Wie kann ich die Situation so gestalten, dass dieser Mensch verstehen, mitentscheiden und möglichst freiwillig mitmachen kann?“
Dieser Perspektivwechsel verändert sehr viel.
Menschen mit Demenz brauchen nicht in erster Linie jemanden, der ihnen ständig erklärt, was sie vergessen haben.
Sie brauchen Menschen, bei denen sie sich sicher, respektiert und verstanden fühlen.
Und genau das ist professionelle Pflege.
Kurzcheck für euren nächsten Einsatz
Wenn eine Situation schwierig wird:
1. Stopp.Nicht automatisch weitermachen.
2. Ruhig werden.Stimme senken und Tempo reduzieren.
3. Beobachten.Was fühlt oder braucht der Mensch gerade?
4. Vereinfachen.Ein Satz. Eine Handlung. Höchstens zwei Optionen.
5. Nicht unnötig korrigieren.Nur orientieren oder korrigieren, wenn es einen sinnvollen Grund dafür gibt.
6. Gefühle anerkennen.Zum Beispiel: „Das ist Ihnen gerade unangenehm.“
7. Alternative anbieten.Zum Beispiel: „Möchten Sie zuerst einen Kaffee trinken?“
8. Ein Nein respektieren und gleichzeitig Risiken einschätzen.Nicht jedes Nein ist ein Notfall. Manche Ablehnungen sind aber gesundheitlich relevant.
9. Dokumentieren, was tatsächlich passiert ist.
10. Wiederkehrende Probleme ins Team bringen.Wenn dieselbe Situation jeden Tag scheitert, muss möglicherweise nicht der Mitarbeiter besser werden – sondern die Versorgung anders geplant werden.


