Ich bin Kathleen,

Aktualisiert: Juli 17

arbeite seit 17 Jahren in der Pflege und liebe meinen Beruf!




Meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin habe ich mit 17 Jahren in Neustadt begonnen und drei Jahre später absolviert. Für mich war schnell klar, dass ich mich in meinem gelernten Beruf weiterentwickeln und spezialisieren will. So habe ich Weiterbildungen als Palliativfachkraft, Praxisanleiterin und zuletzt als Gerontopsychiatrische Fachkraft absolviert. Menschen mit Demenz sind sehr offen, ehrlich und authentisch. Gekünsteltes oder manipulatives Verhalten findet keinen Platz in ihrem Alltag, dieser Umstand gefällt mir sehr. Eine kreative und individuelle Versorgung der betroffenen Klienten unter Wahrung ihrer Würde ist das Ziel meiner Versorgung.


Die Sterbebegleitung ist meine große Leidenschaft


„Hallo ich bin Klaus und ich möchte sterben …“

Das waren die ersten Worte meines neuen Klienten. Diese Aussage und der damit ganz klar verbundene Wunsch, bringt auch mich, als Palliativkraft, immer wieder zum Nachdenken.


„Warum möchte dieser Herr sterben?“

An seinem Bett steht eine liebevolle, umsorgende Ehefrau mit Tränen in den Augen. Im Hintergrund steht der Rest der Familie, die sich rührend und mit viel Liebe um ihren Vater bzw. Großvater sorgen. Umso länger ich mich mit Klaus unterhalte, desto mehr kann ich seinen Wunsch verstehen.


„Was bedeutet es zu leben?“

Früher hat er gelebt, als er in der Natur Fotos mit seiner Kamera geschossen hat, in der Lübecker Bucht gesurft ist oder Tennis gespielt hat …


Aber kann man von einem Leben sprechen, wenn man 24 Stunden am Tag die Decke anstarrt, im Bett gewaschen wird, jemand einem die Mahlzeiten Tag für Tag in den Mund reicht und bei jedem Positionswechsel starke Schmerzen erleiden muss?


Sein Wunsch war also klar, er möchte zuhause, ohne viel Leid zu ertragen, sterben. Ich sah in die Gesichter seiner lieben Angehörigen, die Tränen kullerten die Wangen herunter. Es war schwer für sie zu hören, wie ich mich mit ihrem Ehemann, Vater und Großvater, so offen über das Sterben unterhalten konnte. Dieses Thema ist Bestandteil unserer Arbeit, aber oftmals immer noch ein Tabuthema…


Klaus war froh, dass wir als Pflegedienst vor Ort waren. Er fühlte sich verstanden und nicht allein gelassen mit seinem Wunsch. Wir haben täglich darüber gesprochen und ich habe die Angehörigen miteinbezogen.


Es gab so viele schöne Momente am Bett von Klaus. Oft habe ich ihn als letzten Klienten in meiner Tour angefahren, einfach um immer ein wenig länger bleiben zu können.


Es war ein gemütliches großes Wohnzimmer, im Hintergrund spielte klassische Musik und durch das große Wohnzimmerfenster blitzte die Abendsonne an den Blüten des Apfelbaums herein. Seine Frau saß oft bei ihm am Pflegebett um seine Hand zu streicheln. Die Kinder und Enkel saßen auf einer Couch direkt daneben.


Jeden Abend haben sie mit einem Glas Sekt angestoßen, das war Tradition. Dabei haben sie gemeinsam alte Erinnerungen aufleben lassen und sich an die schöne Zeit erinnert. Ich saß gerne einfach nur dabei und habe gelauscht. Klaus war immer wach und orientiert, auch wenn er seine Augen geschlossen hatte. Er hörte alles und oft beteiligte er sich mit einem kecken Spruch an den Gesprächen.


Die Atmosphäre war gemischt, Trauer und Glück dicht beieinander, aus einem solch erfüllten Leben, mit vielen wunderschönen Erinnerungen, bald Abschied nehmen zu müssen.


Klaus Zustand verschlechterte sich drastisch, ich allein war bis zu dreimal am Tag vor Ort. Es war sehr traurig, Klaus in seiner Situation, er konnte aus irgendeinem Grunde noch nicht loslassen, zu sehen. Wir waren an dem Punkt angekommen, an dem wir ihm nur noch das Leid der Schmerzen ersparen konnten.


„Aber wann war es soweit, dass er loslassen kann?“

Nach jeder Versorgung fragte mich die Familie, wann ist es soweit? Wir haben es ihm alle gewünscht und hofften, dass er nicht weiter leiden muss und friedlich einschlafen kann. Alle hatten Abschied genommen, jeder auf seine Art und Weise.


Nach jeder Versorgung hoffte ich für Klaus, es wäre die Letzte.


Eines Sonntagabends hatte ich ein komisches Gefühl nach der Versorgung. Ich verabschiedete mich bei Klaus, wünschte ihm eine gute Reise und bedankte mich, so einen tollen, einzigartigen Menschen kennengelernt zu haben. Ich nahm seine Frau in die Arme, konnte ohne Worte mein Mitgefühl ausdrücken.


Am nächsten Morgen trieb mich nur ein Gedanke um: „Hat Klaus es geschafft?“


Ich klingelte und seine Frau öffnete mit Tränen in den Augen die Tür: „Kathleen komm bitte rein. Er hat es geschafft und konnte gehen. Dies war sein Wunsch, Klaus hat es geschafft!“


Auch als Palliativkraft laufen mir jedes Mal die Tränen die Wangen herunter. Ich versuche sie ständig zu unterdrücken, was mir jedoch nie gelingt. Ich fühle mit.


Da ist sie nun … die Stille, die Ruhe und der Verlust eines geliebten Menschen. Was bleibt sind die Erinnerungen an die gemeinsamen Zeiten. Ich steh im Wohnzimmer, dreh mich im Kreis und sehe die wundervollen Momente von Klaus, die er als Fotograf in Bildern festgehalten hat. Diese Erinnerungen bleiben der Familie für immer erhalten!


Ich arbeite sehr gerne als Palliativfachkraft, da ich der Meinung bin, dass kein Klient und Angehöriger in einer solch schweren Zeit allein gelassen werden sollte. Ich fühle und leide bei jeder Versorgung mit, das zeichnet mich aus. Ich begleite gerne die Menschen am Ende ihres Lebens; auch wenn dies jedes Mal mit Trauer verbunden ist, gibt es immer einige schöne Momente, die meinen Beruf ausmachen.

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